Leckere Wortschätze: Wo die Frikadelle Bulette, Fleischklops oder Beefsteak heißt

Wo ein Mensch den Großteil seines Lebens verbracht hat, zeigt sich auch daran, welche Wörter er verwendet. Der Atlas zur deutschen Alltagssprache sammelt diese unterschiedlichen Ausdrücke für ein und dieselbe Sache. Hier sind vier beliebte Gerichte, die in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz gleichermaßen bekannt sind – allerdings überall unter einem anderen Namen. Zum Wörter-Entdecken einfach die verschiedenfarbigen Felder auf den Karten anklicken.

 

[aesop_chapter title=“Frikadelle“ bgtype=“img“ full=“on“ img=“http://eichstaetter-datenblatt.wordpress.joergpfeiffer.de/wp-content/uploads/sites/4/2015/01/Frikadelle1.jpg“]

„Faschiertes Laibchen“ – nie gehört? Ist aber auch kein Wunder, denn dieser Ausdruck dürfte primär mal nur Südösterreichern gleich ein Begriff sein. „Faschiertes“ ist dort ein Synonym für Hackfleisch und das Faschierte Laibchen nichts anderes als eine Frikadelle, wie man sie in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz nennt.

In Berlin und Brandenburg labt man sich dagegen eher an einer Bulette, die Thüringer futtern Fleischklöpse oder Bratklößchen, Hessen und Franken Fleischküchle. In der Gegend um Dresden wird der gebratene Fleischkloß sogar nicht selten als Beefsteak bezeichnet.

 

Foto von Kenneth Jorgensen

[aesop_chapter title=“Knödel oder Klöße?“ bgtype=“img“ full=“on“ img=“http://eichstaetter-datenblatt.wordpress.joergpfeiffer.de/wp-content/uploads/sites/4/2015/01/Semmelknödel.jpg“]

 

Eine leidige Frage. In Norddeutschland, Österreich und der Schweiz hat man sich weitgehend auf Ersteres geeinigt, in Mittel- und Ostdeutschland auf den zweiten Begriff. Und im Rest von  Deutschland? Da sind beide Versionen  vertreten. „Knödel“ leitet sich ursprünglich von dem lateinischen Wort „nodus“, Knoten, ab. „Klöße“ ist eine Weiterentwicklung des althochdeutschen Worts „kloz“, was so viel heißt wie „Klumpen“ oder „Kugel“.

 

Foto von Kobako

[aesop_chapter title=“Broiler“ bgtype=“img“ full=“on“ img=“http://eichstaetter-datenblatt.wordpress.joergpfeiffer.de/wp-content/uploads/sites/4/2015/01/Brathähnchen.jpg“]

Lecker, so ein Broiler. Und allein das Wort: ein echtes Relikt. Broiler (von „to broil“ = grillen oder braten) aß man vor allem in der DDR und genau da ist diese Bezeichnung für ein gegrilltes oder gebratenes Huhn auch heute noch üblich. In Bayern und Baden-Württembrg heißt der Broiler Gockl, Gickerl oder Geggele, im Westen Deutschlands einfach nur: Hähnchen. Unterhalb von München und in Österreich überwiegt das Hendl, egal, ob als Hiandl, Grill- oder Brathendl oder sogar –henderl. Der Schweizer greift auf den eleganteren französischen Begriff „Poulet“ zurück.

 

 

[aesop_chapter title=“Kartoffelpuffer“ bgtype=“img“ full=“on“ img=“http://eichstaetter-datenblatt.wordpress.joergpfeiffer.de/wp-content/uploads/sites/4/2015/01/Kartoffelpuffer-21.jpg“]

 

 

Gebackene Kartoffelfladen sind nicht einfach nur gebackene Kartoffelfladen. Sie sind – natürlich – ein Teil der deutschen, österreichischen, schweizerischen Esskultur, aber mindestens genauso wichtig in anderen europäischen Ländern wie Tschechien, der Slowakei, der Ukraine oder Weißrussland. In weiten Teilen von Deutschland und Österreich sind die Fladen aus Kartoffeln, Eiern und Mehl: Kartoffelpuffer. Rund um das Ruhrgebiet und die Eifel sind es Reibekuchen, Reibeplätzchen, vereinzelt Kartoffelpfannkuchen. An der Saar: Grombeerkichelcher.

In Bayern primär Reiberdatschi, um Nürnberg herum Backes und bei Erfurt Detscher. In der Schweiz dominiert das Wort „Tätschli“, in manchen Regionen „Rösti“ und an der schweizerisch-deutschen Grenze taucht auch einmal folgender Begriff aus: Härdöpfelchüechli. Ein bisschen gewöhnungsbedürftig, diese Wortvielfalt, aber was den Kartoffelfladen, -pfannkuchen, -puffer oder -was-auch-immer betrifft: Er ist einfach unersetzlich.

 

Foto von Kagor